Luther im Kontext: Reformbestrebungen und Musik in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts

Internationale Tagung, 28.-30. September 2012
Weimar, Hochschule für Musik FRANZ LISZT, Festsaal Fürstenhaus

Vom 28. bis 30. September 2012 fand in Weimar ein interdisziplinäres wissenschaftliches Symposion zum Thema "Luther im Kontext: Reformbestrebungen und Musik in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts" statt. Veranstalter war das Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena in Kooperation mit der Academia Musicalis Thuringiae.

Die außerordentliche Bedeutung von Martin Luthers hymnologischen Neuerungen im Zusammenhang seines reformatorischen Programms ist unbestreitbar, denn der hohe Stellenwert, den er dem Gemeindegesang in der Volkssprache einräumte, führte zur Entstehung eines eigenen Repertoires einstimmiger Gesänge, die bis heute in Gebrauch sind und vielfältig bearbeitet wurden. Zugleich verhalf das von Luther wahrscheinlich mit angeregte Geistliche gsangk Buchleyn Johann Walters (1524) der mehrstimmigen Musik im protestantischen Gottesdienst zu der zentralen Rolle, die sie seither innehat.

Die geschichtlichen Folgen dieser Vorgänge wirken bis heute nach. Gerade darum aber wird vielfach ein genuiner Zusammenhang von Reformation und hymnologischen Neuerungen unterstellt, den das interdisziplinäre Symposion kritisch beleuchtet hat. Das Symposion setzte sich mit dem zwiespältigen Verhältnis des Reformators zur Musik sowie mit seiner dichterisch-musikalischen Praxis und ihrem Umfeld auseinander. Denn nur wenn man die zeitgenössischen parallelen und konträren Strömungen in den Blick nimmt, erschließen sich einem die Besonderheiten von Luthers Neuerungen. Die Vorträge ausgewiesener Spezialisten haben so zu einem besseren Verständnis des Fragenkomplexes ‚Reform und Musik' in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts beigetragen.


Programm

Freitag, 28. September 2012
Eröffnung
16:15 Uhr: MICHAEL KLAPER (Weimar-Jena), Begrüßung und Einführung
16:30 Uhr: Hauptvortrag ROB WEGMAN (Princeton), Luther and the Cosmic Dance of Music

Samstag, 29. September 2012
Musikauffassung und konfessionelle Identität
09:30 Uhr: CARL BEAR (Berkeley), Did Luther Change His Mind about Music? Martin Luther’s Theology of Music in Light of His Liturgical Reforms
10:15 Uhr: INGA MAI GROOTE (Zürich), ‚So sie in das gesang gefasset ist‘: Melanchthons Anteil an der ‚lutherischen‘ Musikauffassung
11:00 Uhr: Kaffeepause
11:30 Uhr: PATRICK GILDAY (Oxford), The Theological Value of Song in Early Reformation Germany: Some Other Voices
12:15 Uhr: ALLEN SCOTT (Oklahoma), Music and Confessional Identity in Reformation Breslau
13:00 Uhr: Mittagspause

Die Reformation und ihre musikalischen Folgen
15:00 Uhr: DORLIES ZIELSDORF (Weimar-Jena), Luther, die Schulmusik und die Adjuvantenkultur
15:45 Uhr: BEATE AGNES SCHMIDT (Weimar-Jena), Die Verteidigung der Kirchenmusik. Michael Praetorius und die Adiaphora-Diskussion um 1600
16:30 Uhr: Kaffeepause
17:00 Uhr: STEFAN MICHEL (Jena), Singen und Sagen. Die Bedeutung des volkssprachlichen Gesangs für die Ausbreitung der Reformation

Sonntag, 30. September 2012
Kontexte
09:30 Uhr: MARIE-THÉRÈSE MOUREY (Paris), Reformation und Tanz
10:15 Uhr: THOMAS LENTES (Münster), Die Bilderfrage zwischen Mittelalter und Reformation
11:00 Uhr: Kaffeepause
11:30 Uhr: PETER WALTER (Freiburg/Br.), Das Konzil von Trient und die Erneuerung der katholischen Kirche im 16. Jahrhundert
12:15 Uhr: JONATHAN WILLIS (Durham), Musik und Reformation in England
13:00 Uhr: Mittagspause

Kirchenlied und Gesangbücher
15:00 Uhr: CLAUS OEFNER (Eisenach), Geschichte des Kirchenlieds und der Gesangbücher
15:45 Uhr: FRANZ KARL PRAßL (Graz), Das Kirchenlied des 16. Jahrhunderts im Kontext des Wandels liturgischer Ordnungen

16:30 Uhr: Schlussdiskussion


Die Tagung wurde unterstützt von der Fritz Thyssen Stiftung und vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur.

 
 
 

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